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Rheuma-Erkrankte schulen Auszubildende

22. Apr. 2026

Ehrenamtliche sensibilisieren angehende Gesundheitsfachkräfte für die Besonderheiten im Umgang mit Rheuma-Erkrankten. Die Förderphase des Modellprojekts „Chronisch krank hautnah – auch in der Ausbildung“ zur Qualifikation der Ehrenamtlichen endete im April mit einer Abschlussveranstaltung. Aufgrund des großen Erfolgs führt die Rheuma-Liga NRW das Projekt anschließend wie gewohnt weiter. Interessierte können sich für den Kurs 2027 bewerben.


Die Gelenke schmerzen, die Wirbelsäule versteift, die Haut ist entzündet: Rheumatische Erkrankungen können zahlreiche Auswirkungen haben. Rund ein Viertel Menschen in Nordrhein-Westfalen ist nach Schätzungen der Rheuma-Liga NRW von einer oder mehreren der mehr als 150 verschiedenen Rheuma-Diagnosen betroffen. “Außenstehende können die Symptome und deren Auswirkungen auf den Alltag kaum nachvollziehen. Umso wichtiger ist es, dass vor allem Menschen in Pflege- und Gesundheitsberufen wissen, worauf es bei der Versorgung Betroffener ankommt. Wer könnte das besser erklären als die Betroffenen selbst?“, sagt Elisabeth Stegemann-Nicola, Präsidentin der Rheuma-Liga NRW.

Einzigartiges Modellprojekt

Vor sechs Jahren startete die Rheuma-Liga NRW mit „Chronisch krank hautnah – auch in der Ausbildung“ ein bislang einzigartiges Modellprojekt: Von Rheuma betroffene Ehrenamtliche besuchen Schulungen und Coachings, um sich auf ihre Unterrichtseinheiten an Berufsschulen vorzubereiten. In diesen besonderen Unterrichtseinheiten erfahren Auszubildende im Gesundheitswesen – angehende Pflegefachkräfte sowie Physio- und Ergotherapeutinnen und -therapeuten – aus erster Hand, was sie im Umgang mit Rheuma-Erkrankten beachten sollten. Rund 60 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren haben die Schulung bereits abgeschlossen und mehr als 70 Unterrichtsbesuche an Berufsschulen in ganz NRW absolviert.

Abschlussfeier zum Ende der Förderphase

Nun feierte die Rheuma-Liga NRW gemeinsam mit ihren Unterstützern und rund 40 Ehrenamtlichen den Abschluss der Förderphase. „In diesem Leuchtturm-Projekt sind wir neue Wege gegangen. Es zeigt, dass es sich lohnt, eine Idee gemeinsam zu verfolgen – mit motivierten Partnern und tollen Netzwerken“, freut sich Stegemann-Nicola über die erfolgreiche Zusammenarbeit.

Die Rheuma-Liga NRW entwickelte die Inhalte der Fortbildungen gemeinsam mit der Hochschule Bochum, die AOK NordWest und die AOK Rheinland/Hamburg förderten das Projekt. „Wir begleiten die Rheuma-Liga bereits von Beginn an in diesem Modellprojekt, weil wir die Aufklärung zum Umgang mit der Erkrankung wichtig finden und Betroffene unterstützen wollen“, betonen Stefan Krumhus von der AOK NordWest und Angelika Greiner von der AOK Rheinland/Hamburg.

Anschaulicher Unterricht

„Die teilnehmenden Ehrenamtlichen haben nach den Schulungen ein breites Wissen über einen Teil der rheumatischen Erkrankungen und können dieses anschaulich vermitteln. Mit Quiz-Fragen, Filmen, Gruppenarbeit und Hilfsmitteln als Anschauungsmaterial gestalten sie Schulstunden ganz individuell und abwechslungsreich“, erklärt Jens Riede, verantwortlicher Wissenschaftlicher Mitarbeiter von der Hochschule Bochum.

Roswitha Mirbach war inzwischen mehrfach als Multiplikatorin im Einsatz. Ihre Erfahrung: Die Praxisbeispiele kommen besonders gut an. Sie bittet die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel, dicke Winterhandschuhe anzuziehen, darüber kommen enge Einmal-Handhandschuhe. Damit sollen sie dann Kleingeld aus der Geldbörse entnehmen oder Schnürsenkel binden. „Dadurch merken die jungen Leute, wie schwierig oft die alltäglichsten Handgriffe für Rheuma-Betroffene sind. Eine Schülerin hat sogar frustriert das Portemonnaie auf den Boden geworden“, erinnert sie sich. „Nach unseren Stunden haben alle mehr Verständnis für die zahlreichen Symptome und deren Auswirkungen.“

Interessierte Ehrenamtliche gesucht

Nach Abschluss des Modellprojekts im April wollen die Rheuma-Liga NRW und die Hochschule Bochum weiterhin Ehrenamtliche Rheuma-Patientinnen und Patienten auf ihren Einsatz an den Ausbildungsstätten vorbereiten. Die Finanzierung übernimmt der Verein selbst, Jens Riede wird die Schulungen ehrenamtlich anbieten. Interessierte können sich für die nächste Fortbildungsreihe Anfang 2027 an die Projektkoordinatorin Kirstin Schütz wenden: schuetz@rheuma-liga-nrw.de

Weitere Informationen:

Projektlaufzeit: 2020 bis 2026

Schulungen: 7

Teilnehmende 57 (überwiegend aus NRW, aber auch Gäste aus fünf weiteren Bundesländern)

Alter der Ehrenamtlichen: 24 bis 80

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